Nightwatch 2004

tagsspiegel
Mit Rembrandt auf Nachtwache Niederl”ndische K½nstler malen ein ber½hmtes Bild nach. Ihr –ffentliches Atelier: der Amsterdamer Flughafen Von Rolf Brockschmidt Jan Maris und Albert Mantje haben einen ungew–hnlichen Ort als Atelier gew”hlt: Sie malen derzeit am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Und sie arbeiten an einem nicht gew–hnlichen Bild. Das Motiv der ?Nachtwache? kennen zwar Millionen von Menschen. Doch Rembrandts Gem”lde soll nun etwas anders werden.ðZum Thema Wien: Begr”bnis als Kult Auvergne: Bei M–nchen und Messermachern —sterreich: Groœe Freiheit im GaloppðService Buchungsmaschine: Die g½nstigsten Fl½ge Travelnow: Hotels buchen Fides: Reise der Woche In Rembrandts Version machen sich Hauptmann Frans Banning Cocq und Leutnant Willem van Ruytenburch mit ihren Kameraden der Sch½tzenkompagnie von Amsterdam im mysteri–sen Abendlicht auf, ihren Dienst zu tun. Der Hauptmann mit der roten Sch”rpe scheint dem Leutnant, der ihm ? die Lanze in der Hand ? aufmerksam zuh–rt, einen Plan darzulegen. Diese Situation ist durch Rembrandts 1642 vollendetes Gem”lde f½r immer eingefroren und festgehalten. Doch was haben die beiden M”nner und ihre Mitstreiter zwei Minuten sp”ter gemacht? Niemand weiœ es, denn dieses Bild h”lt eben nur einen einzigen, inzwischen millionenfach reproduzierten, Moment fest. Zwei Minuten sp”ter ? vorausgesetzt, Rembrandts Figuren w”ren lebendig ? sieht eben alles schon wieder ganz anders aus. Der Leutnant hat wohl verstanden, st½tzt seine Lanze auf, wendet sich um und spricht zu seinen M”nnern. Woher wir das wissen? Weil Albert Mantje und Jan Maris seit dem 20. Dezember vergangenen Jahres an einer neuen ?Nachtwache? arbeiten, die die weltbekannte Situation zwei Minuten sp”ter erz”hlt. Sie malen im erweiterten Westfl½gel des Amsterdamer Flughafens, der von der Ankunftshalle 4 und der Schiphol Plaza –ffentlich zug”nglich ist. So kann der Flughafen, der schon immer mehr sein wollte als ein ?nur? ein Flughafen, diesen Raum f½r ein spektakul”res Kunstprojekt nutzen. Schon die Dimensionen des Gem”ldes verlangten nach einem riesigen Atelier. 3,66 mal 4,22 Meter misst die originale ?Nachtwache?. Genauso groœ wird die neue, ach was, werden drei neue ?Nachtwachen? entstehen. Und das kam so. Als das Amsterdamer Rijksmuseum wegen anstehender Renovierungsarbeiten seinen Umzug plante, musste nat½rlich auch Rembrandts ?Nachtwache? ihren angestammten Raum verlassen. Um den Umzug besser planen zu k–nnen, hatten die Museumsmitarbeiter eine Leinwand in Originalgr–œe bespannt. Mit diesem Dummy probten sie den Umzug. The Gallery Donkersloot in Amsterdam bekam Wind von der unbemalten Leinwand, die nun nicht mehr ben–tigt wurde und schlug vor, darauf eine neue ?Nachtwache? zu malen. Denn schlieœlich feiern die Niederlande 2006 ihr groœes Rembrandtjahr zum 400. Geburtstag des Meisters. Albert Mantje und Jan Voss sollten das Projekt ausf½hren. Es stellte sich aber bald heraus, dass Voss nicht nur den Untergrund gemalt hatte, sondern bereits mit einer eigenen ?Nachtwache? begonnen hatte. So entstand die Idee, dass Albert Mantje mit Jan Maris eine zweite ?Nachtwache? malen wird, die den Schauplatz eben ein wenig sp”ter darstellt. ?Das war spannend. Wie wird die Situation zwei Minuten sp”ter aussehen? Wir haben viel gelernt und auch einige Fehler entdeckt. Zum Beispiel kann man ein Gewehr nicht locker mit einer Hand packen und laden, daf½r waren die viel zu schwer. Auch in dieser Hinsicht haben wir die Haltung von Fahnen und Lanzen korrigiert. Wir ver”ndern die Komposition, aber nicht die Architektur des Bildes. Auch taucht Rembrandt jetzt nicht mehr nur als Portr”t, sondern als ganze Figur in dem Bild auf.? Albert Mantje von der K½nstlergruppe The Winston Group bezeichnet sich als realistischen Maler. Seinen Kollegen Jan Maris hat er aus 15 Interviews mit K½nstlern ausgew”hlt. ?Maris hat ausgehend von Rembrandt-Radierungen farbige Portr”ts im Stile Rembrandts gemalt. Die Experten vom Rembrandthaus waren einfach begeistert.? Rembrandt ben–tigte etwa eineinalb Jahre f½r sein Meisterwerk, Mantje und Maris wollen es in sechs Monaten schaffen. ?Wir brauchten einen Ort, der hoch genug war ? in meinem Atelier geht das nicht. Die Erweiterung der Schiphol Plaza und die Ankunftshalle4 sind f½r das reisende Publikum noch nicht eingerichtet. Daher bot es sich an, diesen Raum f½r eine –ffentliche Aktion zu nutzen. Die Betriebe auf Schiphol haben uns Ger½ste gebaut und Licht gelegt, alle sind sehr enthusiastisch bei der Sache?, erz”hlt Mantje. 90 Prozent der Grundzeichnung von ?NachtwacheII? sind fertig. Im M”rz wird Jan Voss seine ?Nachtwache I? auf Schiphol w”hrend eines Monats zu Ende malen. Damit nicht genug, eine Gruppe von K½nstlerinnen wird den Frauen Gerechtigkeit widerfahren lassen und eine dritte Nachtwache im Stil Rembrandts malen, allerdings nur mit weiblichen Sch½tzen. Dieses Amazonenbild wird dann ?Nachtwache III?. Alle Bilder werden Ende Mai ins Rembrandthaus umziehen, wo sie ? ebenfalls –ffentlich ? den Feinschliff bekommen. Dort hatte auch Rembrandt sein Meisterwerk gemalt, allerdings nicht in seinem ? heute rekonstruierten ? Atelier unter dem Dach, sondern im Innenhof. ?Rembrandt hat sein Gem”lde wegen der H–he auch drauœen gemalt?, sagt Mantje. Dem Publikum auf dem Flughafen Schiphol gef”llt diese –ffentliche Malaktion. ?Manche kommen zwei Mal in der Woche vorbei, um uns zuzuschauen?, erz”hlt Mantje. Die Aktion l”sst sich per Webcam im Internet unter der Adresse www.denieuwenachtwacht.nl verfolgen. Albert Mantje ist von seinem Projekt und seinem K–nnen ½berzeugt. ?Wir planen ein Dinner mit dem Direktor des Rijksmuseums und seinen beiden Vorg”ngern und anderen Museumsleuten, wenn die Arbeiten vorangeschritten sind. Dann sollen sie uns sagen, was sie von unserem Rembrandt halten.?